Standpunkte

August 2015

Presseerklärung der Kreistagsfraktion GFL-Lünen/ UWG-Selm zur Berichterstattung über die Neuordnung der Förderschulen im Kreis


Zu Beginn des Schuljahres 2016/17 soll die Förderschullandschaft im Kreis Unna neu geordnet werden.
Dabei sollen alle Förderschulen im Kreis Unna in Kreisträgerschaft übergehen. Die Pestalozzischule soll als Teilstandort laufen. Die Kreistagsfraktion GFL/UWG sowie die Linksfraktion haben einen Antrag auf Erhalt der Selbständigkeit der Pestalozzischule Selm gestellt, der aber
von der „große Koalition“ im Kreistag in der Sitzung des Ausschusses für Bildung und Kultur abgelehnt wurde.
Wir bedauern diese überhastete Entscheidung, weil die Pestalozzischule, entgegen dem Landestrend noch deutlich oberhalb der erforderlichen Mindestschülerzahl liegt und somit ohne Not ihre Selbständigkeit verlieren soll und gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Schule in Lünen zum Teilstandort des sogenannten Förderzentrums Nord gemacht werden soll. Vor dem Hintergrund der aktuellen Schülerzahlen sehen wir die in der Beschlussvorlage des Kreises getätigte Prognose dieser Zahlen nämlich als zu niedrig an.
Teilstandorte sind außerdem u.E. immer nur Notlösungen und sollten wegen der permanenten pädagogischen und schulorganisatorischen Nachteile grundsätzlich eine Ausnahme bleiben und hier zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt vermieden werden.
Der ständige Wechsel zwischen den Standorten führt für Schüler, Lehrer und der Schulleitung zu einer zeitlichen und finanziellen Belastung und geht auch zu Lasten der Schüler und des Anspruchs an Schule und Unterricht.
Bleibt es bei dem Beschluss, entstünde einer der größten Förderschulen in NRW, verteilt auf zwei Standorte, die mehr als 10 km auseinander liegen, keinerlei finanziellen Vorteile für den Kreis bringen, dieses bei z.T. neu zusammengesetzten Kollegien und einer gemeinsamen neuen Schulleitung.
Auch der Nebeneffekt, dass die Pestalozzischule als selbständige Schule in Selm weiterhin den Primarbereich im Förderschwerpunkt Lernen als Wahlangebot für Eltern und Schüler im Kreis anbieten kann, wurde in Unna kritisch gesehen und abgelehnt. Damit wird das definierte Ziel, Eltern weiterhin ein Wahlrecht zwischen einer Förderschule und dem inklusiven Unterricht einzuräumen, völlig ignoriert. Obwohl wir nichts gegen eine generelle Trägerschaft des Kreises Unna einzuwenden haben, wird die UWG-Fraktion jetzt im Rat der Stadt Selm beantragen, dass die Stadt Selm den Beschluss des Kreistages nicht mittragen wird und die Selmer Förderschule eigenständig unter der Trägerschaft der Stadt Selm erhalten bleiben soll, solange es der Elternwille verlangt.
Es wird dabei bestimmt interessant sein zu beobachten, ob der lange Arm von SPD und CDU aus dem Kreis bis Selm reichen wird, oder ob man im Sinne der Eltern und Schüler entscheidet, die sich laut Schulkonferenz vehement für die Selbständigkeit der Pestalozzischule einsetzen.

Maria Lipke, Vorsitzende der Kreistagsfraktion GFL/UWG

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