Standpunkte

Oktober 2013

Leserbrief zu „Der Bedarf ist da“, vom 2.10.2013


Die dargestellten Ergebnisse der Elternumfrage zur Anmeldung ihrer Kinder an einer Sekundarschule in Selm zeigen nach meiner Einschätzung eine Pattsituation: Nach Elternmeinung neigt die eine Hälfte eher zu den etablierten Schulen und die andere Hälfte eher zu der Schule, die bisher nur in der Hochglanzprospekt-Planung existiert. Dabei wird ja gar nicht nach der Haupt- oder Realschule gefragt, und der Anteil der Kinder, die sowieso auf das Gymnasium wechseln, bleibt auch im gnädigen Dunkeln. So ist die Aussagekraft der Elternumfrage, wie schon im vergangenen Jahr in Brambauer, eher gering: nichts dazu gelernt oder gewollt?
Mein Sohn geht in die 8. Klasse der Otto-Hahn-Realschule und ist dort so zufrieden, wie man es als Teenager mit einer Schule überhaupt sein kann. Er fragte angesichts der Berichterstattung für die geplante Sekundarschule, warum niemand für die Realschule Werbung macht, „die ist doch klasse.“
In der Tat, liebe zufriedene Eltern der Haupt- und Realschule, wenn wir nicht wollen, dass unsere Schulen geschlossen werden, dann müssen wir wohl die 75 Eltern der jetzigen 4. Klassen ansprechen, die sonst über das Schulwohl unser aller Kinder entscheiden. Wir sollten Reklame machen!
75 Elternstimmen reichen aus, unsere Schulen zu schließen, nein, sie „auslaufen zu lassen“. Das bedeutet, dass mit jedem Abschlussjahrgang „überzählige“ Lehrer an andere Schulen versetzt werden, bis unsere Schulen leer sind. Diejenigen Lehrer, die dieser „Zwangsversetzung“ zuvorkommen wollen, tun gut daran, sich frühzeitig selbstständig versetzen zu lassen, und welche Lehrer werden das wohl vor allem sein? Sicherlich vor allem die engagierten, schwungvoll aktiven, die momentan das Schulleben so positiv bestimmen. Das will ich nicht für mein Kind, dass es nur noch eine schulische Restversorgung bekommt!
Zufriedene Menschen melden sich selten zu Wort, Lob wird in Deutschland wenig verteilt, aber nun müssen wir „ran“ und so den Eltern der 4. Klassen zeigen, welche gute Alternativen zur Sekundarschule in Selm schon existieren. Wir müssen erläutern, dass sie 14 Tage nach dem Anmeldeverfahren für die Sekundarschule ihr Kind wie immer an der Haupt- oder Realschule anmelden können. Wir müssen darauf hinweisen, dass nach der Anmeldung kein Kind „übrig bleibt“ und ohne weiterführende Schule in Selm dasteht, egal, wo es angemeldet war.

Sonst tut es nämlich keiner.

Dr. Bettina Faust

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