Baum des Jahres 2018 - Esskastanie - UWG SelmDie Esskastanie wird zwar nicht als in Deutschland heimische Baumart angesehen, in Südwestdeutschland – im Pfälzerwald – jedoch als Charakterart.

Von der Rosskastanie, die 2005 Baum des Jahres war, unterscheidet sie sich biologisch und kulinarisch. Ob die Esskastanie als heimische Baumart angesehen wird, ist eine Frage der historischen Perspektive. Im sogenannten Tertiär (65 – 1,8 Mio Jahre vor unserer Zeit) war sie in den mitteleuropäischen Wäldern typisch. Während der Eiszeiten starb die Esskastanie hier aus. In der Bronzezeit (2200 – 800 v.Chr.) tauchte sie im Keltischen Baumkalender wieder auf. Weil mit der Entdeckung Amerikas 1492 durch Kolumbus ein größerer Austausch von Pflanzen und Tieren begann, wird dieses Jahr als Marke benutzt, um Pflanzen als Archäophyten (vor 1492) , z.B. die Esskastanie, oder als Neophyten (nach 1492) , z.B. die Rosskastanie, einzuteilen.

Über die griechische Kolonie Massalia, dem heutigen Marseille, sowie die Römer begann die Karriere der Esskastanie als Kulturbaum in Europa.

In sogenannten Niederwäldern wurden die Bäume ca. alle 15 Jahre geschnitten und das so gewonnene Holz zu Rebstöcken verarbeitet. Es bestand also ein enger Zusammenhang mit dem Weinbau. Auch für Masten, den Haus- und Möbelbau wurde das Holz der Esskastanie genutzt.

Interessanter waren aber immer schon die Früchte der Esskastanie. So wurden sie als Hopfenersatz zum Bier brauen verwendet oder als Kaffeeersatz. Von Goethe ist überliefert, dass er Esskastanien zum Füllen der Martinsgans benutzte. Die Kastanien dafür soll ihm seine Mutter nach Weimar geschickt haben.

Henriette Davidis beschreibt in ihrem berühmten Kochbuch das Rezept für einen Kastanienauflauf. Und heutzutage wird sogar Kastanienmehl angeboten, weil es glutenfrei ist.

Aus ökologischer Sicht wird die Esskastanie ebenfalls interessanter. So hat man in Untersuchungen festgestellt, dass sie Lebensraum für viele Arten ist, auch für heimische Rote-Liste Arten wie Totholzkäfer.

Darüber hinaus wird untersucht, ob die Esskastanie angesichts des Klimawandels für die forstliche Nutzung in Frage kommt.

Kastanienauflauf nach Henriette Davidis

Kastanien vorbereiten.
Nachdem man die Kastanien gewaschen, schneidet man die Schalen oben kreuzweise ein, setzt sie mit kaltem Wasser ans Feuer und läßt sie kochen, bis sie ein wenig weich werden. Hierauf zieht man die Schale, sowie die darunter sitzende braune Haut ab.

Kastanienauflauf.
Von 500 Gramm Kastanien wird die äußere Schale entfernt; nachdem die Kastanien einige Zeit in kochendem Wasser gelegen haben, wird die innere Haut abgezogen.

Nachdem nun die Kastanien in ½ Liter Milch weich gekocht sind, werden sie durch ein Sieb gestrichen; in die noch heiße Masse rührt man 75 Gramm Butter und läßt sie dann erkalten.

Hierauf schlägt man 6 Eidotter mit 100 Gramm Zucker schaumig, fügt 3 Eßlöffel feinen Likör hinzu und rührt dann die erkalteten Kastanien und zuletzt den Schnee von 6 Eiweiß darunter.

Man backt den Auflauf etwa ¾ Stunde bei mäßiger Hitze und gibt ihn mit Rotweinsauce zu Tisch.

aus: Henriette Davidis: Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche mit besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen. Nach den neuesten Forschungen und Erfahrungen auf dem Gebiete der Kochkunst bearbeitet von Gertrude Wiemann. Unveränderter Nachdruck der Berliner Ausgabe von 1907. © by Bechtermünz Verlag im Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1996, S. 3,24–30 u. 14,25–29.

UWG pflanzt den Baum des Jahres 2018 – Die Esskastanie
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